Das Gommerdorf Ernen wird als eines der schönsten Dörfer des Wallis und der Schweiz bezeichnet. Das Dorf ist geprägt durch gut erhaltene Wohnhäuser aus dem 15. bis 18. Jahrhundert. Weitsichtige Kräfte in der Gemeinde hatten die Gefahr eines gefährdenden Baubooms bereits sehr früh erkannt und sich für den Erlass von griffigen Bauvorschriften eingesetzt.
Die von der Gemeinde über Jahre beispielhaft geförderte Ortsbildpflege trug ihr 1979, als achtem Preisträger, die Verleihung des Henri-Louis Wacker-Preises durch den Schweizer Heimatschutz ein.
Die Pflege und der Unterhalt dieses reichen Erbes haben ihren Preis. Viele alte Gebäude wurden renoviert, aber noch viel ist zu realisieren. Die Gemeinde mit ihren rund 400 Einwohnern ist dabei überfordert und auf finanzielle Hilfe von außen angewiesen.
Die größte Einnahmequelle ist der Tourismus, der leider in letzter Zeit eher rückläufige Zahlen aufweist. Um den Tourismus vermehrt zu fördern und die Attraktivität des Dorfes zu erhöhen, sind in letzter Zeit viele Anstrengungen gemacht worden. Die bisherigen touristischen und kulturellen Erfolge lassen sich durchaus sehen. Alle Jahre finden das Festival der Zukunft statt, ein international bekanntes Kammermusikfestival.
Bis zum Tode von Prof. György Sebök im Jahre 1999 fanden Meisterkurse für Klavier und Kammermusik statt. Junge Leute aus allen fünf Kontinenten trafen sich in Ernen, um zu musizieren und um die Umgebung zu geniessen.
Verantwortliche machen sich Gedanken über die Durchführung eines neuen Meisterkurses, und man will in Ernen vermehrt kulturelle Anlässe organisieren. So finden seit dem Jahr 2001 sechs bis acht Streichquartett-Kurse statt.
Dazu braucht es Übungsräume, in welchen gespielt werden kann, ohne dass Einwohner und Feriengäste gestört werden. Zudem fördern solche kulturellen Anlässe einen sanften Tourismus. Das Kaplaneihaus hat sich bis jetzt bestens bewährt und drängt sich weiterhin auf. Das Haus sollte jedoch dringend renoviert und den heutigen Ansprüchen angepasst werden.
Jetzt ist das ehrwürdige Kaplaneihaus unbewohnt und schaut traurig mit einigen Alterserscheinungen und ungepflegt in die Welt. Das Haus wartet darauf, dass es besser und vermehrt genutzt werden könnte.
Das Renovationskonzcpt und die heutige Nutzung: Das EG wird als Jugend- lokal genutzt. Das erste OG ist vermietet und wird als Musikproberaum verwendet. Die Umgebung ist als Garten einem Nachbar vermietet.
Die Bausubstanz kann als gut bezeichnet werden. Das Jugendlokal ist ausgebaut mit Wasser und Toiletten sowie Kochgelegenheit. Die Obergeschosse und der Estrich sind noch nie renoviert worden, folglich praktisch unverändert und im Baustil des 18. Jahrhunderts erhalten.
Das Haus wurde mit einer offenen Feuerstelle in der Küche und zwei Giltsteinöfen in den zwei Obergeschossen beheizt. Die Haustechnik wie Wasser, Kanalisation und
elektrische Installationen sind im bescheidenen Rahmen vorhanden. Das Dach wurde 1989 renoviert und so konnte ein weiterer Zerfall des Hauses verhindert werden. Die Küche wurde in den vierziger Jahren mit wenig Geld umgebaut und sollte wieder in den alten Zustand zurückversetzt werden.
Für eine sinnvolle Nutzung wäre der Einbau einer kleinen Küchenkombination mit Kühlschrank und eine weitere kleine Kochgelegenheit wünschenswert. Die Haus— anbauten wie Lauben, Nord-und Ostzugang sowie das Trocken-WC, sind dringend zu erneuern.
Nun zu unserm Anliegen. Die vielen Aufgaben der kleinen Gemeinde können nur mit der Unterstützung von Sponsoren und Gönnern durchgeführt werden. Ohne eine grosszügige finanzielle Hilfe ist ein kleines Bergdorf nicht in der Lage, allein seinen historischen Aufgaben nachzukommen.
Wir gelangen daher auch an Sie. Helfen Sie mit! Wir sind Ihnen im Namen der Gemeinde dafür sehr dankbar.
Verantwortlich:
Gemeinde Ernen, Gemeindeverwaltung, CH-3995 Ernen
Genossenschaft Kulturhaus Ernen:
Willy Clausen, CH-3995 Ernen
Fundraising:
Hans Brügger, Schweizeraustrasse 7 CH-4132 Muttenz Bankverbindung:
Raiffeisenbank Filiale Ernen Konto No. 15035.95
infos und links:
www.ernen.ch
www. musikdorf.ch
Zur Geschichte des Kaplaneihauses.
‘Auf kühner Höhe, über dem Friedhof und südlich des Chores der Kirche, steht ein zweistöckiges Gebäude‘. So beschrieben im Buch ‘Zwischen zwei Brücken‘. Da das alte Kaplaneihaus vermutlich baufällig war, hatte man bereits 1772/73 ein altes Haus gekauft, um daraus
—Bh1 Aus der benachbarten Gemeinde Mühlebach und aus Niederernen wurden Steine und Platten per Schlitten antransportiert, ‘224 Schlittenladungen‘. Ausser Speis und Trank erhielten die Träger nur Gotteslohn, heisst es weiter. Das heutige Haus wurde 1776 gebaut. Es wirkt sehr malerisch, da der hintere Teil, mit der Küche und dem Treppenhaus, aus Stein besteht. Die zwei Haustüren und die Fenster sind mit rotem Tuffstein eingerahmt, was ihnen Reichtum und Würde verleiht.
Beim Betreten des Empfangszimmers, die Pfründstube, fällt das sauber gearbeitete, stark geschweifte Täfer mit den tief gebuchten Fasen auf, von denen es nicht mehr viele gibt. Der würfelförmige Ofen zeigt den heiligen St. Georg auf dem Ross und die heilige Katharina mit dem Rad. Der Patron der Kirche und der Pfarrei ist St. Georg. Auf den Dielbäumen im ersten und im zweiten Stock hat es Inschriften in lateinischer Sprache mit sehr frommem Inhalt. Man wollte den Bewohnern mit den frommen Sprüchen, offenbar praktische Lebensanweisungen geben. Ein Zimmer über der Küche hat eine gewölbte Gipsdecke mit einem Gemälde in der Mitte.
Der erste, der das Haus bewohnen durfte war Bartholomäus Jost (1773 bis 1818). ‘Gott und die Obrigkeit liessen ihn recht lange die Freude am neuen Gebäude geniessen‘. Seit Herbst 1952 ist die Kaplanei nicht mehr bewohnt. Sie diente hochw. alt Pfarrer und Ehrendomherr A. Biderbost als Wohnung, der dort im Mai 1958 im hohen Alter von 93 Jahren verstorben ist.